Erste Eindrücke und Erlebnisse – die ersten vier Tage – 08.09.-11.09.2005
Donnerstag, 8.9.2005
Die Fahrt nach Paris ging am 8.9.2005 um 10.45 Uhr los.
Mein Vater hat mich mit dem Auto nach Erlangen gebracht, wo Sonja schon auf mich wartete, weil wir ausgemacht hatten, dass ich zwischen 11 und 12 Uhr vorbeikomme, damit wir starten können. Natürlich hatten mein Vater und ich vergessen den Verkehrsfunk zu hören, somit sind wir bereits in Schnaittach im ersten Stau hängengeblieben. Zum Glück hat sich dieser aber nach etwa 15 Minuten wieder aufgelöst.
Um 11.30 Uhr sind wir dann in Erlangen angekommen, wo wir zusammen mit Sonjas Eltern und ihrem Freund Thomas einen Kaffee getrunken haben.
Mit dem bis oben hin vollgepackten Ford Fiesta ging’s dann um 12.20 Uhr auf nach Paris.
Die Fahrt verlief absolut problemlos, wir sind in keinen einzigen Stau gekommen, nur die Hitze war teilweise etwas unangenehm. Die meiste Zeit ist Sonja gefahren, ich habe sie kurz vor der französischen Grenze für zirka 200 km abgelöst.
Hier noch ein paar Bilder von der Fahrt:
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Freitag, 9.9.2005
Am nächsten Tag sind wir schon um 8 Uhr aufgestanden und haben uns auf den Weg zum Büro “Bureau des Relations Internationales” gemacht. Nachdem wir zunächst einige Minuten vergeblich einen Parkplatz gesucht hatten, sind wir schließlich fündig geworden. Aber wo war das Bureau des Relations Internationales genau?
Das mussten wir auch suchen und als wir es schließlich gefunden hatten, dauerte es etwa 2 Stunden bis wir was weiß ich wie viele Formulare mit “Lu et approuvé” und unserer Unterschrift versehen hatten. In diesem Büro haben wir auch gleich drei andere deutsche und einen spanischen Erasmusstudenten kennengelernt. Lustigerweise waren das genau die Erasmusstudenten, die mit uns im gleichen Studentenwohnheim in Lognes leben. Die Restlichen wohnen eine RER-Station weiter in Torcy.
Einer der Deutschen – Markus – ist auch mit dem Auto gekommen. Diesem Auto haben wir dann später den Spitznamen “Cavron” gegeben, da es trotz seiner geringen Größe 6 Personen und Unmengen von Bier transportieren kann. Auf Cavron und Sonjas Auto verteilt, sind wir anschließend nach Lognes zu unserem Studentenwohnheim gefahren.
Die Reaktionen, als wir die Zimmer gesehen hatten, waren sehr unterschiedlich. Bei mir hat der Vorgänger das Zimmer in recht gutem Zustand hinterlassen, verglichen mit Micheals (auch ein Mathestudent, der aus Bayreuth kommt). Bei ihm war das Zimmer nicht nur saudreckig, sondern auch der Herd ging nicht, die Dusche war kaputt und die beiden vorhandenen Stühle waren unbrauchbar. Bei mir war auf den ersten Blick fast alles in Ordnung, deshalb hab ich nur den Boden, Dusche, Waschbecken, Schrank, Spüle und Klo geputzt und war relativ schnell fertig – im Vergleich zu den anderen. Dass die Herdplatten immer aus und an gehen und die Klospülung oftmals die ganze Nacht läuft, hab ich natürlich erst später bemerkt.
Ach ja, nicht zu vergessen ist das erste Telefonat, das ich auf französisch führen musste. Um Strom für die Zimmer zu bekommen, musste man erst beim EDF - dem Stromversorgungsamt – anrufen. Nichtsahnend war ich in Sonjas Zimmer marschiert, da hat sie mir ihr Handy in die Hand gedrückt und gesagt, dass wir jetzt dort anrufen – “die Nummer ist schon gewählt”.
Das Gespräch dauerte etwa 20 Minuten Leider wusste ich erst nicht so genau, was der gute Mann am Telefon von mir wollte, bis ich dann schließlich den richtigen der blauen Knöpfe erwischt hatte und ihm die derzeitige Anzahl an kWh durchsagen konnte. Ganz zu schweigen von Bankverbindung, neuer Anschrift,...
Nach mehr als 20 Minuten war das Gespräch endlich vorbei und ich dachte mir schweißgebadet: “Bin ich hier richtig???”
Um 14 Uhr machten wir uns auf die Suche nach einem billigen Supermarkt – wieder 6 Leute auf 2 Autos verteilt. Sonja hatte in Deutschland einen Plan ausgedruckt, der den Weg von Lognes zum nächsten Aldi zeigt. Allerdings haben wir uns trotz des Plans ziemlich verfahren, da es in Frankreich etwa alle 200 Meter einen Kreisverkehr gibt. Statt beim Aldi sind wir bei einem sogenannten “Supermarché” gelandet, aber nachdem wir die ersten Produkte in die Einkaufswägen gelegt hatten, haben wir uns gedacht: “So teuer, das kann doch wohl nicht sein! Da schauen wir uns lieber nach nem anderen Supermarkt um!”
Nachdem wir die Waren wieder ordentlich in den Regalen untergebracht hatten, sind wir ohne was zu kaufen aus dem Supermarkt gegangen und haben den Aldi weiter gesucht. Nach weiteren 45 Minuten und Irrfahrten in verschiedensten Wohngebieten sind wir schlussendlich beim guten, alten Aldi gelandet. Dort haben wir dann groß eingekauft und all das, was wir im Aldi nicht bekommen haben, haben wir anschließend doch beim Supermarché gekauft.
Nachdem wir dann heimgefahren sind und unsere Taschen ausgepackt und unsere Zimmer eingeräumt haben, war es schon abend und wir hatten alle ziemlich Hunger. Glücklicherweise hat sich Diego – der Spanier unter uns Deutschen – sofort bereit erklärt Spaghetti mit Tomaten und Thunfisch zu kochen, denn er war mit Abstand am schnellsten mit Auspacken und Einräumen fertig, denn er hatte am wenigsten mitgebracht und das sauberste und größte Zimmer von uns allen vorgefunden.
Ach ja, die Zimmer sind übrigens ziemlich groß – 18 m². Es sind, wie auf den Bildern zu sehen, ein Bad mit WC, Dusche und Waschbecken, ein Herd, Spüle, Wandschrank, Bett, Schreibtisch, ein Stuhl, ein großes Regal und ein Nachtisch vorhanden. Ich bin damit sehr zufrieden, lediglich im Bad hat eine Ablage gefehlt, aber da hab ich mir gleich ein kleines Regal gekauft.
Wie mein Zimmer aussieht, kann man auf den folgenden Bildern sehen. Dort ist es aber schon eingerichtet und nicht wirklich aufgeraumt:
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...so, der Tag endete dann mit dem Abendessen bei Diego und der ersten kleinen Party. Wir tranken zum Essen Wein und Bier, sangen, während Diego und Markus Gitarre spielten und feierten bis in die Nacht. Diego und Markus sind 2 begnadete Musiker und packen bei jeder Gelegenheit ihre Gitarren und Sangeskünste aus. “La camisa negra” ist das Lied, das wir bislang am häufigsten gesungen haben. Die Stimmung war auf jeden Fall super, aber so um 2 Uhr waren alle ziemlich k.o. und gingen ins Bett.
Samstag, 10.9.2005
Vormittags haben alle erstmal ausgeschlafen und die restlichen Sachen im Zimmer gerichtet.
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Gegen 14 Uhr sind wir mit der RER nach Chatelet les Halles gefahren, wo es ein großes Einkaufszentrum namens Forum des Halles gibt. Nach etwa 2 Stunden haben wir das Forum des Halles verlassen und ein Internetcafé gesucht, um den Eltern und Freunden per Mail mitzuteilen, dass alles gut ist.
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Anschließend sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen, haben die Seine und Notre Dame angeschaut. An diesem Tag war total viel los, denn es gab eine Technoparty, eine Art “Mini-Loveparade”, denn auf und hinter Wägen mit Technomusik standen lauter Leute und tanzten.
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Als wir gegen 19 Uhr daheim angekommen waren, haben wir wieder zusammen gegessen. Jana – eine weitere deutsche Erasmusstudentin aus Lognes – hat eine Päella gemacht und wir einen Salat. Das Abendessen ging wieder fließend in die nächste kleine Feier über. Alle tranken Bier und Wein, Diego und Markus sorgten für gute Musik.
Sonntag, 11.9.2005
Erst war wieder ausschlafen angesagt. Zum Mittag hat sich jeder selber ne Kleinigkeit zum Essen gemacht. Dann sind wir alle 6 am Trimm-Dich-Pfad, der sich gleich vor unserer Haustür befindet, joggen gegangen. Nach einer Stunde waren wir zurück und nachdem alle geduscht hatten, liefen wir ein wenig durch Lognes. Wir stellten fest, dass es sich um ein Chinesenviertel handelt, in dem nicht nur jede zweite Einwohner Chinese ist, sondern auch fast nur chinesische Läden vorhanden sind. Wenigstens ist der eine chinesische Supermarkt den ganzen Sonntag geöffnet, so konnten wir gleich noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Man bekommt dort eigentlich alle Lebensmittel, die man so braucht.
Gegen abend waren Sonja und ich mit dem Kochen dran. Wir haben Kartoffelgemüsepfanne gemacht. Nachdem alle gegessen hatten, gab’s eine der bislang coolsten Feiern – die Caipiparty. Jana hatte Rum und Limetten gekauft, damit wir Caipirinha mixen konnten. Dass wir uns ziemlich gut amüsierten, lassen die Bilder erahnen:




































[...] Ohne zu wissen, was uns erwartete, fuhren Sonja und ich am 8. September 2005 in Richtung Frankreich. Natürlich hat man etwas Bammel, wenn man für mehrere Monate ins Ausland geht, denn man weiß ja nie, was da so genau auf einen zukommt. Jedoch überwog zu diesem Zeitpunkt schon die Vorfreude. Und als Erasmusstudent wird es einem auch relativ leicht gemacht. Innerhalb weniger Stunden hatten wir Michael, Markus, Diego und Jana kennengelernt, die ja sogar im gleichen Wohnheim wohnten. Die ersten Wochen waren hauptsächlich vom Sprachkurs, einer kleinen Affäre mit Fanny, dem Kennenlernen und Erkunden der tollen Stadt Paris und vorallem von reichlich Erasmusparties, bei denen man sehr viele Leute aus allen Ländern der Erde kennengelernt hat, geprägt. Diego und Markus stimmten jedesmal “La camisa negra” an und der Alkohol floss dabei meistens auch nicht zu knapp. Sprachprobleme gab es eigentich relativ wenige, außer bei dem unvergessenen Gespräch mit EDF am ersten Tag. Da ich eh schon ganz gute Vorkenntnisse aus der Schule mitbrachte und man die meiste Zeit auf französisch redete, bereitete die fremde Sprache keine allzu großen Probleme. Nach 2 Wochen in Frankreich begannen schließlich die Mathevorlesungen. Eigentlich hatte ich mir schon vorgenommen einige Kurse anständig mitzumachen. Leider war es nicht ganz einfach Mathekurse auf französisch zu verfolgen und durch die vielen Parties blieb relativ wenig Zeit zum Lernen. Hinzu kam, dass die Abschlussklausuren zum Wintersemester alle in der ersten Woche des neuen Jahres stattfanden, also gerade da, wo Krausi, mct und Marco zu Besuch waren. Zuvor war ich das erste Mal seit mehr als 3 Monaten wieder in Deutschland, um mit meiner Familie Weihnachten zu feiern. In den Monaten Januar und Februar sind sehr viele Erasmusleute (u.a. Sonja, Michael, Caro und Laura) wieder zurückgegangen, andere (wie z.B. Daniel) kamen. In der zweiten Hälfte hatte ich mit den Erasmusleuten nur noch sehr wenig zu tun, außer mit Daniel (Fußballspiel PSG-Bordeaux mit Amandine und Annabelle, Musée Rodin, Asterixpark, Disneyland, sowie tägliche Internetsession), Christian (Generalstreik, sein Geburtstag, Solidarité SIDA und Ausstellung im Grand Palais), Miklós (Abschied Miklós) und Thomas. Das lag vorallem auch daran, dass ich einfach nicht mehr so darauf aus war nur Party zu machen. Hinzu kommt, dass ich im zweiten Teil weit mehr Besucher hatte (Costa und Sarah, Kerstin und Kai, Hofi und Marco, meine Eltern zum zweiten Mal, Katha, Christian und Paul, sowie Chris und Marina) als in der ersten Hälfte (meine Eltern zum ersten Mal, sowie Krausi, mct und Marco). Außerdem musste ich für das Praktikum beim IFP, das mir Mr Eymard verschafft hatte, fit sein, denn neben 7-8 h Arbeiten täglich, musste jeden Tag ganz Paris mit der RER durchfahren werden, was 1,5 h dauert. Zum Glück hat sich das aber gelohnt, denn das Praktikum war für mich eine tolle Erfahrung. [...]