Montag, 12.9.2005
An diesem Tag waren wir das erste Mal an der Uni, denn hier fand für die folgenden zwei Wochen ein Intensivsprachkurs “French Autumn course” statt. In Sonjas und Markus Auto ging’s um 8.30 Uhr auf nach Noisy-Champs. Der Weg dorthin war sehr leicht zu finden, schließlich ist die Uni in der Nähe des Crous, bei dem wir uns am ersten Tag angemeldet hatten. Wir suchten das Gedäude “Bois de l’Etang” und hatten es auch ziemlich schnell gefunden. Einige Gebäude der Uni schauen meiner Meinung nach etwas alt aus, aber insgesamt hab ich mir gedacht, dass es sich dort ziemlich gut aushalten lässt. Eins der besten und modernsten Gebäude ist das Copernic – und da halte ich mich jetzt immer auf, denn dort finden alle meine Vorlesungen statt und es gibt eine gute Mensa, in der man für 2,70 € ein Mittagsmenü bestehend aus Vor-, Haupt- und Nachspeise sowie Wasser und Brot, bekommt.
Als wir dann vor dem Saal, der der Treffpunkt war, angekommen sind, trafen wir sehr viele andere Erasmusstudenten an – fast nur Spanier und Deutsche, ein paar Tschechen, zwei Ungarn, drei Chinesen und einen Österreicher. Der Österreicher namens Thomas war einer der ersten, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin. Es stellte sich heraus, dass er auch im gleichen Wohnheim wohnt, sogar in der selben Etage. Allerdings war er schon seit 1,5 Monaten in Frankreich, da er erst bei seiner Freundin in Bordeaux gewohnt und anschließend frühzeitig nach Paris gefahren ist.
Als wir alle in den Raum gelassen wurden, wurden wir von Virginie, die sich immer um die Problemchen der Erasmusstudenten kümmert, und Diana, die selbst vor 3 Jahren als Erasmusstudentin nach Paris kam und jetzt super Französisch spricht, freundlich begrüßt. Uns wurden Essensmarken für die ersten zwei Wochen ausgeteilt, ein Plan, wann und wo der Sprachkurs jeweils stattfindet und wann wir Fahrten nach Versailles und in verschiedene Museen unternehmen würden. Natürlich erhielten wir ein Formular für das CAF, mit dem man das Wohngeld, das jeder in Frankreich Studierende bekommt, beantragen konnte. Zu guter Letzt wurde uns noch mitgeteilt, dass wir uns erst am letzten Tag des Sprachkurses, also am 23.9. einschreiben können, da dort ein Termin für alle Erasmusstudenten vereinbart wurde. Man kann hier nämlich nicht einfach zu einem der Tische bei denen groß “Inscription” steht gehen und sich einschreiben, sondern man muss erst mal einen Termin ausmachen. Genauso läuft’s bei der Eröffnung eines Bankkontos. Nur bei der Bank vorbeigehen und alle Formulare lesen und unterzeichnen reicht nicht, man muss sich erst mal einen Termin geben lassen, wann man das Konto eröffnen will.
Die verspätete Einschreibung bedeutete natürlich, dass man u.a. erst mal keinen Internetaccount hatte und die Carte Imagine R (Karte, mit der man als Student verbillig mit der Metro und RER fahren kann) nicht beantragen konnte.
Nach einer Führung über das Unigelände sind wir im “Architektengebäude” gelandet, dass außen fast vollständig aus Glas ist. Dort konnten wir dann mit unseren Essensmarken im Wert von 8,28 € (!) das Mittagessen, bestehend aus Vor-, Haupt- und Nachspeise, sowie Käse und Wasser, genießen.
Um 13.30 Uhr fand die erste Sprachkursstunde statt. Wir wurden nach Sprachniveau, das anhand eines schriftlichen Tests ermittelt wurde, in 2 Gruppen unterteilt – Michael, Sonja und Thomas waren auch in meiner Gruppe. Die Leiter unseres Sprachkurses waren 2 Studentinnen im Alter von 21 Jahren – Fanni und Sonyia – von denen es später noch etwas mehr zu berichten gibt.
Gegen 17 Uhr war der Kurs vorbei und alle gingen geschafft nach Hause. Am Abend gab’s ausnahmsweise keine Feier, denn alle waren vom Vortag bzw. der Vornacht so geschafft, dass wir gegen 22 Uhr ins Bett gefallen sind.
Donnerstag, 8.9.2005
Die Fahrt nach Paris ging am 8.9.2005 um 10.45 Uhr los.
Mein Vater hat mich mit dem Auto nach Erlangen gebracht, wo Sonja schon auf mich wartete, weil wir ausgemacht hatten, dass ich zwischen 11 und 12 Uhr vorbeikomme, damit wir starten können. Natürlich hatten mein Vater und ich vergessen den Verkehrsfunk zu hören, somit sind wir bereits in Schnaittach im ersten Stau hängengeblieben. Zum Glück hat sich dieser aber nach etwa 15 Minuten wieder aufgelöst.
Um 11.30 Uhr sind wir dann in Erlangen angekommen, wo wir zusammen mit Sonjas Eltern und ihrem Freund Thomas einen Kaffee getrunken haben.
Mit dem bis oben hin vollgepackten Ford Fiesta ging’s dann um 12.20 Uhr auf nach Paris.
Die Fahrt verlief absolut problemlos, wir sind in keinen einzigen Stau gekommen, nur die Hitze war teilweise etwas unangenehm. Die meiste Zeit ist Sonja gefahren, ich habe sie kurz vor der französischen Grenze für zirka 200 km abgelöst.
| Gegen 20 Uhr sind wir schließlich an dem Ibis-Hotel angekommen, in dem wir die erste Nacht unseres Aufenthalts verbracht hatten. Da wir ziemlich geschafft waren, hatten wir keine Lust noch groß was zu unternehmen und sind nach dem Duschen um etwa 23 Uhr ins Bett gefallen. |  |
Hier noch ein paar Bilder von der Fahrt:
Freitag, 9.9.2005
Am nächsten Tag sind wir schon um 8 Uhr aufgestanden und haben uns auf den Weg zum Büro “Bureau des Relations Internationales” gemacht. Nachdem wir zunächst einige Minuten vergeblich einen Parkplatz gesucht hatten, sind wir schließlich fündig geworden. Aber wo war das Bureau des Relations Internationales genau?
Das mussten wir auch suchen und als wir es schließlich gefunden hatten, dauerte es etwa 2 Stunden bis wir was weiß ich wie viele Formulare mit “Lu et approuvé” und unserer Unterschrift versehen hatten. In diesem Büro haben wir auch gleich drei andere deutsche und einen spanischen Erasmusstudenten kennengelernt. Lustigerweise waren das genau die Erasmusstudenten, die mit uns im gleichen Studentenwohnheim in Lognes leben. Die Restlichen wohnen eine RER-Station weiter in Torcy.
Einer der Deutschen – Markus – ist auch mit dem Auto gekommen. Diesem Auto haben wir dann später den Spitznamen “Cavron” gegeben, da es trotz seiner geringen Größe 6 Personen und Unmengen von Bier transportieren kann. Auf Cavron und Sonjas Auto verteilt, sind wir anschließend nach Lognes zu unserem Studentenwohnheim gefahren.
Die Reaktionen, als wir die Zimmer gesehen hatten, waren sehr unterschiedlich. Bei mir hat der Vorgänger das Zimmer in recht gutem Zustand hinterlassen, verglichen mit Micheals (auch ein Mathestudent, der aus Bayreuth kommt). Bei ihm war das Zimmer nicht nur saudreckig, sondern auch der Herd ging nicht, die Dusche war kaputt und die beiden vorhandenen Stühle waren unbrauchbar. Bei mir war auf den ersten Blick fast alles in Ordnung, deshalb hab ich nur den Boden, Dusche, Waschbecken, Schrank, Spüle und Klo geputzt und war relativ schnell fertig – im Vergleich zu den anderen. Dass die Herdplatten immer aus und an gehen und die Klospülung oftmals die ganze Nacht läuft, hab ich natürlich erst später bemerkt.
Ach ja, nicht zu vergessen ist das erste Telefonat, das ich auf französisch führen musste. Um Strom für die Zimmer zu bekommen, musste man erst beim EDF - dem Stromversorgungsamt – anrufen. Nichtsahnend war ich in Sonjas Zimmer marschiert, da hat sie mir ihr Handy in die Hand gedrückt und gesagt, dass wir jetzt dort anrufen – “die Nummer ist schon gewählt”.
Das Gespräch dauerte etwa 20 Minuten
Leider wusste ich erst nicht so genau, was der gute Mann am Telefon von mir wollte, bis ich dann schließlich den richtigen der blauen Knöpfe erwischt hatte und ihm die derzeitige Anzahl an kWh durchsagen konnte. Ganz zu schweigen von Bankverbindung, neuer Anschrift,...
Nach mehr als 20 Minuten war das Gespräch endlich vorbei und ich dachte mir schweißgebadet: “Bin ich hier richtig???”
Um 14 Uhr machten wir uns auf die Suche nach einem billigen Supermarkt – wieder 6 Leute auf 2 Autos verteilt. Sonja hatte in Deutschland einen Plan ausgedruckt, der den Weg von Lognes zum nächsten Aldi zeigt. Allerdings haben wir uns trotz des Plans ziemlich verfahren, da es in Frankreich etwa alle 200 Meter einen Kreisverkehr gibt. Statt beim Aldi sind wir bei einem sogenannten “Supermarché” gelandet, aber nachdem wir die ersten Produkte in die Einkaufswägen gelegt hatten, haben wir uns gedacht: “So teuer, das kann doch wohl nicht sein! Da schauen wir uns lieber nach nem anderen Supermarkt um!”
Nachdem wir die Waren wieder ordentlich in den Regalen untergebracht hatten, sind wir ohne was zu kaufen aus dem Supermarkt gegangen und haben den Aldi weiter gesucht. Nach weiteren 45 Minuten und Irrfahrten in verschiedensten Wohngebieten sind wir schlussendlich beim guten, alten Aldi gelandet. Dort haben wir dann groß eingekauft und all das, was wir im Aldi nicht bekommen haben, haben wir anschließend doch beim Supermarché gekauft.
Nachdem wir dann heimgefahren sind und unsere Taschen ausgepackt und unsere Zimmer eingeräumt haben, war es schon abend und wir hatten alle ziemlich Hunger. Glücklicherweise hat sich Diego – der Spanier unter uns Deutschen – sofort bereit erklärt Spaghetti mit Tomaten und Thunfisch zu kochen, denn er war mit Abstand am schnellsten mit Auspacken und Einräumen fertig, denn er hatte am wenigsten mitgebracht und das sauberste und größte Zimmer von uns allen vorgefunden.
Ach ja, die Zimmer sind übrigens ziemlich groß – 18 m². Es sind, wie auf den Bildern zu sehen, ein Bad mit WC, Dusche und Waschbecken, ein Herd, Spüle, Wandschrank, Bett, Schreibtisch, ein Stuhl, ein großes Regal und ein Nachtisch vorhanden. Ich bin damit sehr zufrieden, lediglich im Bad hat eine Ablage gefehlt, aber da hab ich mir gleich ein kleines Regal gekauft.
Wie mein Zimmer aussieht, kann man auf den folgenden Bildern sehen. Dort ist es aber schon eingerichtet und nicht wirklich aufgeraumt:
...so, der Tag endete dann mit dem Abendessen bei Diego und der ersten kleinen Party. Wir tranken zum Essen Wein und Bier, sangen, während Diego und Markus Gitarre spielten und feierten bis in die Nacht. Diego und Markus sind 2 begnadete Musiker und packen bei jeder Gelegenheit ihre Gitarren und Sangeskünste aus. “La camisa negra” ist das Lied, das wir bislang am häufigsten gesungen haben. Die Stimmung war auf jeden Fall super, aber so um 2 Uhr waren alle ziemlich k.o. und gingen ins Bett.
Samstag, 10.9.2005
Vormittags haben alle erstmal ausgeschlafen und die restlichen Sachen im Zimmer gerichtet.
Gegen 14 Uhr sind wir mit der
RER nach Chatelet les Halles gefahren, wo es ein großes Einkaufszentrum namens Forum des Halles gibt. Nach etwa 2 Stunden haben wir das Forum des Halles verlassen und ein Internetcafé gesucht, um den Eltern und Freunden per Mail mitzuteilen, dass alles gut ist.
Anschließend sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen, haben die Seine und Notre Dame angeschaut. An diesem Tag war total viel los, denn es gab eine Technoparty, eine Art “Mini-Loveparade”, denn auf und hinter Wägen mit Technomusik standen lauter Leute und tanzten.
Als wir gegen 19 Uhr daheim angekommen waren, haben wir wieder zusammen gegessen. Jana – eine weitere deutsche Erasmusstudentin aus Lognes – hat eine Päella gemacht und wir einen Salat. Das Abendessen ging wieder fließend in die nächste kleine Feier über. Alle tranken Bier und Wein, Diego und Markus sorgten für gute Musik.
Sonntag, 11.9.2005
Erst war wieder ausschlafen angesagt. Zum Mittag hat sich jeder selber ne Kleinigkeit zum Essen gemacht. Dann sind wir alle 6 am Trimm-Dich-Pfad, der sich gleich vor unserer Haustür befindet, joggen gegangen. Nach einer Stunde waren wir zurück und nachdem alle geduscht hatten, liefen wir ein wenig durch Lognes. Wir stellten fest, dass es sich um ein Chinesenviertel handelt, in dem nicht nur jede zweite Einwohner Chinese ist, sondern auch fast nur chinesische Läden vorhanden sind. Wenigstens ist der eine chinesische Supermarkt den ganzen Sonntag geöffnet, so konnten wir gleich noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Man bekommt dort eigentlich alle Lebensmittel, die man so braucht.
Gegen abend waren Sonja und ich mit dem Kochen dran. Wir haben Kartoffelgemüsepfanne gemacht. Nachdem alle gegessen hatten, gab’s eine der bislang coolsten Feiern – die Caipiparty. Jana hatte Rum und Limetten gekauft, damit wir Caipirinha mixen konnten. Dass wir uns ziemlich gut amüsierten, lassen die Bilder erahnen: